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Strukturierte Erfassung,​ Auswertung und Interpretation von ­potenziell belastenden Dienstbedingungen wĂ€hrend der NATO-Übungen ­Steadfast Jupiter 2023 (STJU23) und Loyal Leda 2024 (LOLE24)




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Strukturierte Erfassung, Auswertung und Interpretation von potenziell belastenden Dienstbedingungen wĂ€hrend der NATO-Übungen ­Steadfast Jupiter 2023 (STJU23) und Loyal Leda 2024 (LOLE24)

Structured Assessment, Evaluation, and Interpretation of Potentially Stressful Service Conditions During the NATO Exercises Steadfast Jupiter 2023 (STJU23) and Loyal Leda 2024 (LOLE24)

Felix Weinreicha, Lisa Geerkensa, Philipp Georg Schnadthorsta

a 1. Deutsch-NiederlĂ€ndisches Korps, Abteilung GMed Deutscher Anteil, MĂŒnster,

Zusammenfassung

Multinationale Soldatinnen und Soldaten des I. Deutsch-NiederlĂ€ndischen Korps (1GNC) sind wĂ€hrend NATO-Übungen wie Steadfast Jupiter 2023 (STJU23) und Loyal Leda 2024 (LOLE24) potenziellen psychischen Belastungen ausgesetzt. Die Analyse belastender Faktoren ist entscheidend fĂŒr Einsatzbereitschaft und ­psychische Gesundheit, was das Thema fĂŒr die wehrmedizinische Forschung relevant macht. In zwei anonymisierten Kohortenstudien wurden die dienstbedingten Belastungen der Soldatinnen und Soldaten mithilfe des angepassten Culture of Care Barometers (aCoCB) vor und nach den Übungen erfasst. Der Fragebogen berĂŒcksichtigt die spezifischen Bedingungen der militĂ€rischen Umgebung und bewertet die Dienstbedingungen in vier Kategorien: (1) organisationale UnterstĂŒtzung, (2) TeamunterstĂŒtzung und Teamleitung, (3) Beziehungen zu Kameraden und (4) dienstbezogene EinschrĂ€nkungen.

Die Ergebnisse zeigen markante VerĂ€nderungen in den Bereichen zwischenmenschlicher Beziehungen und Dienstumfeld. Insbesondere bei LOLE24 sind stĂ€rkere Schwankungen in der Wahrnehmung der Dienstbedingungen festzustellen, was auf die variable Infrastruktur und die eingeschrĂ€nkte Kommunikation zurĂŒckgefĂŒhrt werden kann. Die Faktoren TeamunterstĂŒtzung und kameradschaftliche Beziehungen wurden wĂ€hrend der Übung LOLE24 als belastender empfunden. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern wertvolle Hinweise fĂŒr die militĂ€rische FĂŒhrung. Eine stĂ€rkere strukturelle und kommunikative UnterstĂŒtzung sowie die Optimierung der Dienstbedingungen können langfristige psychische Auswirkungen auf die Soldatinnen und Soldaten verringern und ihre Resilienz nachhaltig stĂ€rken.

SchlĂŒsselwörter: NATO-Übungen, psychische Belastungen, Culture of Care Barometer, Resilienz, Dienstbedingungen

Summary

Multinational soldiers of the I. German-Netherlands Corps (1GNC) are exposed to potential psychological stressors during NATO exercises, such as Steadfast Jupiter 2023 (STJU23) and Loyal Leda 2024 (LOLE24). The analysis of adverse factors is crucial for operational readiness and mental health, making this topic particularly relevant for military medical research. In two anonymized cohort studies, the duty-related stress of soldiers was assessed before and after the exercises using the adapted Culture of Care Barometer (aCoCB). The questionnaire accounts for the specific conditions of the military environment and evaluated service conditions in four categories: (1) organizational support, (2) team support and leadership, (3) relationships with comrades, and (4) work-related constraints. The findings show changes in interpersonal relationships and the work environment. In particular, LOLE24 shows more significant variability in the perception of service conditions, which may be attributed to the infrastructure and limited communication. Team support and collegial relationships are perceived as particularly challenging during the exercises. These insights provide valuable guidance for military leadership. Enhanced structural and communicative support and optimized service conditions can reduce long-term psychological impacts on soldiers and sustainably strengthen their resilience.

Keywords: NATO exercises; psychological stress; Culture of Care Barometer; resilience; service conditions

Einleitung

Die geopolitischen Spannungen und sicherheitspolitischen Herausforderungen der letzten Jahre haben eine strategische Neuorientierung der Bundeswehr und der NATO eingeleitet: Die sogenannte „Zeitenwende“, welche den Fokus von Stabilisierungsoperationen in Krisenregionen zurĂŒck zur Landes- und BĂŒndnisverteidigung gemĂ€ĂŸ Artikel-5-Szenarien lenkt. In diesem Kontext gewinnt die NATO als VerteidigungsbĂŒndnis an Bedeutung. Multinationale Einheiten und Kommandos wie das I. Deutsch-NiederlĂ€ndische Korps (1GNC), ein schnell verlegbares NATO-Hauptquartier (HQ), unterliegen dabei besonderen Anforderungen: Die Soldatinnen und Soldaten mĂŒssen neben ihrer fachlichen Expertise eine hohe mentale DurchhaltefĂ€higkeit, FlexibilitĂ€t und Resilienz aufweisen, um den komplexen und oft psychisch belastenden Einsatzbedingungen gerecht zu werden.

Diese Belastungen resultieren nicht nur aus langen EinsĂ€tzen unter extremen Bedingungen, sondern auch aus der Interaktion mit Soldatinnen und Soldaten verschiedener Nationen, der Anpassung an wechselnde Befehlsketten und kulturelle Unterschiede innerhalb der NATO. Ein SchlĂŒsselfaktor fĂŒr die langfristige Einsatzbereitschaft und psychische Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten ist ihre Resilienz. Sie ist die FĂ€higkeit, sich mental und emotional an stressige Einsatzbedingungen anzupassen und davon zu erholen. Negative Auswirkungen auf die Resilienz können die LeistungsfĂ€higkeit beeintrĂ€chtigen und sogar zu langfristigen psychischen Belastungen fĂŒhren [6][12][13].

Um das Risiko fĂŒr solche Belastungen zu mindern, bedarf es einer soliden und wissenschaftlich fundierten Erfassung und Analyse der besonderen Anforderungen, die im Rahmen multinationaler Übungen und EinsĂ€tzen auftreten können. Das Ziel dieser Arbeit ist die systematische Erfassung von Dienstbedingungen, die die psychische Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten beeintrĂ€chtigen könnten. Darauf aufbauend sollen die gewonnenen Erkenntnisse von belastenden EinflĂŒssen und mögliche OptimierungsansĂ€tze praxisnah und zielgerichtet an die militĂ€rische FĂŒhrung vermittelt werden.

Methodik

Diese Arbeit wurde als anonymisierte, beobachtende Kohortenstudie durchgefĂŒhrt, um die potenziell belastenden Dienstbedingungen multinationaler Soldatinnen und Soldaten wĂ€hrend NATO-Übungen zu erfassen und zu analysieren. Die zwei zentralen NATO „Command-post exercises“ (CPX), Steadfast Jupiter 2023 [15] und Loyal Leda 2024 [3] dienten als Grundlage fĂŒr die Datenerhebung. WĂ€hrend einer CPX wird das Personal eines Stabes und deren UnterstĂŒtzungseinheiten in einen einsatzĂ€hnlichen Zustand versetzt, um die kritischen Funktionen und AblĂ€ufe eines Kommandostabes zu ĂŒben. Die genannten Übungen wurden aufgrund ihres multinationalen Charakters und ihrer intensiven Anforderungen an die beteiligten Soldatinnen und Soldaten von 1GNC ausgewĂ€hlt. Die Vorgehensweise und Ergebnisse der Beobachtung zu STJU23 sind bereits veröffentlicht [14]. In dieser Arbeit werden die Dienstbedingungen der Soldatinnen und Soldaten in den Übungen STJU23 und LOLE24 untersucht, die unterschiedlich lokalisiert, jedoch jeweils reprĂ€sentativ fĂŒr die Einsatzbedingungen von 1GNC stehen. Die Übung STJU23 fand in einem NATO-Bunker statt, wodurch der Zugang zu Freiraum und die Verbindung zu Familienangehörigen erheblich eingeschrĂ€nkt war. Ein kleiner Teil der Soldatinnen und Soldaten verblieb im HQ in MĂŒnster und nahm von dort aus an der Übung teil. Die Soldatinnen und Soldaten leisteten ihren Dienst in verlĂ€ngerten Tag-Schichten ab (10–12 Stunden), um die Übungsherausforderungen zu erfĂŒllen. Im Gegensatz dazu wurden wĂ€hrend der Übung LOLE24 in Tschechien Kommandoposten an zwei separaten Standorten eingerichtet, die sowohl aus Zeltlagern im Freien als auch aus fester Infrastruktur bestanden. Auch hier wurde in verlĂ€ngerten Tag-Schichten gedient. Trotz des Zugangs zum Freien blieb die KonnektivitĂ€t eingeschrĂ€nkt, was den Kontakt zur Außenwelt ebenfalls erschwerte. In beiden Übungen erfĂŒllte 1GNC den Auftrag eines Korps-HQ, mit der Auswertung von Truppenbewegungen, der Kurz- und Langzeitplanung zur Erstellung von Befehlen und Koordinierung der unterstellten LandstreitkrĂ€fte.

Die Daten wurden aus den in den Übungen involvierten Soldatinnen und Soldaten von 1GNC generiert. Eine freiwillige Teilnahme war fĂŒr alle Interessierten möglich, wobei sichergestellt wurde, dass Soldatinnen und Soldaten unterschiedlicher NationalitĂ€ten und Dienstgrade vertreten waren. Somit wurden die Vielfalt und multinationale Zusammensetzung des Korps reprĂ€sentiert. Insgesamt wurden alle Freiwilligen zu zwei Zeitpunkten befragt: unmittelbar vor Beginn der jeweiligen Übung und nach deren Abschluss. Die Befragung erfolgte durch einen validierten, an den militĂ€rischen Sprachgebrauch angepassten Fragebogen, um VerĂ€nderungen in der Wahrnehmung der Dienstbedingungen und Belastungen zu erfassen.

Culture of Care Barometer

Das Culture of Care Barometer (CoCB) wurde als Instrument verwendet, um die Arbeitsplatzbedingungen systematisch zu bewerten und Ansatzpunkte fĂŒr die Optimierung von Arbeitsprozessen zu identifizieren [7]. Der Fragebogen umfasste 30 Fragen, deren Antworten auf einer fĂŒnfstufigen Likertskala von „stimme ĂŒberhaupt nicht zu“ (1) bis „stimme voll und ganz zu“ (5) bewertet wurden. Dieses diagnostische Selbstbewertungsinstrument, das ursprĂŒnglich fĂŒr Benchmarking und die Erkundung von Aspekten der FĂŒrsorgekultur in zivilen Organisationen entwickelt wurde, wurde speziell fĂŒr den militĂ€rischen Kontext des 1GNC angepasst. Begriffe wie „co-workers“ und „colleagues“ wurden durch „comrades“ ersetzt. ZusĂ€tzlich wurden Begriffe wie „line manager“ und „managers“ in „superior“ und „flag officers“ umgewandelt. Diese Anpassungen sorgten dafĂŒr, dass der Fragebogen stĂ€rker mit der spezifischen Dienstkultur und den Bedingungen im 1GNC ĂŒbereinstimmt, wodurch die Antworten prĂ€ziser wurden.

Das aCoCB umfasste Fragen, die Aspekte der Dienstplatzkultur, UnterstĂŒtzung im Team und wahrgenommener organisatorischer FĂŒrsorge abdeckten.

Die Fragen im aCoCB waren gemĂ€ĂŸ einem vordefinierten Protokoll vier Faktoren zugeordnet, die als zentrale Bereiche der Dienstbedingungen gelten [7]:

Faktor 1 – Organisationale UnterstĂŒtzung

Umfasste Fragen zur allgemeinen UnterstĂŒtzung und FĂŒrsorge, die die Soldatinnen und Soldaten durch die Organisation erfahren [8]. Beispiel: „I am able to influence how things are done in this organisation.“

Faktor 2 – TeamunterstĂŒtzung und Teamleitung

Dieser Faktor enthielt Fragen, die auf die Zusammenarbeit und UnterstĂŒtzung innerhalb der Teams und der FĂŒhrung abzielten, da kameradschaftliche Beziehungen und ein positives Dienstumfeld wichtige Elemente zur Stressreduktion darstellen [11]. Beispiel: „My superior gives me constructive feedback.“

Faktor 3 – Beziehungen zu Kameraden und Kollegen

Hier werden Fragen gestellt, die auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, insbesondere die Wahrnehmung von Fairness und gegenseitigem Respekt, abzielen. Beispiel: „When things get difficult, I can rely on my comrades.“

Faktor 4 – Dienstbezogene EinschrĂ€nkungen

Dieser Faktor umfasst die notwendigen Rahmenbedingungen wie verfĂŒgbare Zeit, ausreichende Ressourcen und klare Zielvorgaben, die erforderlich sind, um den Auftrag erfolgreich auszufĂŒhren [4]. Beispiel: „I have the resources I need to do a good job.“

Gewichtung der Faktoren

Jeder Faktor ist mit einer Gewichtung versehen, welche auf der Validierung des ursprĂŒnglichen CoCB und auf der vermuteten Bedeutung fĂŒr die Gesamtbelastung der Soldatinnen und Soldaten basiert [7]. Items zur organisationalen UnterstĂŒtzung und TeamunterstĂŒtzung sind dabei höher gewichtet, da diese Aspekte nachgewiesenermaßen einen stĂ€rkeren Einfluss auf die psychische Gesundheit haben [5].

Durch die Methodik der anonymisierten Kohortenstudie, die Befragungen vor und nach den Übungen, sowie die gewichtete Faktoranalyse des aCoCB konnte die Studie differenzierte Einblicke in die potenziell belastenden Dienstbedingungen der Soldatinnen und Soldaten gewinnen.

Ergebnisse

Die RĂŒcklaufquote der Befragungen unterschied sich zwischen den beiden Übungen mit 34,8 % fĂŒr STJU23 und 21,6 % fĂŒr LOLE24. Diese RĂŒcklaufquoten beeinflussten die Aussagekraft der Ergebnisse, insbesondere fĂŒr LOLE24, da eine geringere RĂŒcklaufquote die ReprĂ€sentativitĂ€t einschrĂ€nkt.

Die durchschnittlichen Werte fĂŒr beide Übungen lagen nahe beieinander, jedoch ergaben sich geringfĂŒgige Unterschiede: FĂŒr STJU23 betrug der Mittelwert vor und nach der Übung 3,84 und 3,81, fĂŒr LOLE24 lagen die entsprechenden Werte bei 3,89 und 3,81. Die Mediane zeigten bei STJU23 einen leichten RĂŒckgang von 3,83 auf 3,77, wĂ€hrend sie bei LOLE24 von 3,88 vor der Übung auf 3,86 danach sanken. Diese Abweichungen deuten darauf hin, dass sich die allgemeine EinschĂ€tzung der Dienstbedingungen vor und nach beiden Übungen nur marginal verĂ€ndert hat, wobei die VariabilitĂ€t bei LOLE24 durch eine leicht höhere Standardabweichung auf eine breitere Streuung der Wahrnehmungen hinweist (Abbildung 1).

Abb. 1: Statistische Kennwerte fĂŒr STJU23 und LOLE24, jeweils vor und nach der Übung
N: Anzahl; M: Mittelwert; MD: Median; SD: Standardabweichung

Die in Abbildung 2 dargestellte Faktorenanalyse des aCoCB fĂŒr die beiden Übungen zeigte unterschiedliche VerĂ€nderungen in den vier analysierten Faktoren.

FĂŒr Faktor 1 (organisationale UnterstĂŒtzung) und Faktor 2 (TeamunterstĂŒtzung) fanden sich geringe Änderungen in den Mittelwerten, wobei die Standardabweichungen eine moderate Streuung aufwiesen, was auf eine relativ konstante Wahrnehmung der UnterstĂŒtzung hindeutete. Faktor 3 (Beziehungen zu Kameraden) zeigte jedoch stĂ€rkere Schwankungen auf, insbesondere bei LOLE24, was möglicherweise durch die variierenden Bedingungen und die Herausforderungen bei der Kommunikation beeinflusst wurde. FĂŒr den Faktor 4 (dienstbezogene EinschrĂ€nkungen) fand sich bei LOLE24 eine leicht höhere VariabilitĂ€t, was auf verschiedene Belastungen durch die Dienstumgebung hinweisen könnte.

 

Abb. 2: Ergebnisse der Faktoranalyse des aCoCB fĂŒr STJU23 und LOLE24, jeweils vor und nach der Übung
N: Anzahl; M: Mittelwert; MD: Median; SD: Standardabweichung; ρ: Spearman-Korrelationskoeffizient, p: Signifikanzwert

FĂŒr die Übung STJU23 zeigten die Antworten insgesamt positive EinschĂ€tzungen: Die Mittelwerte der Fragebögen zu beiden Befragungszeitpunkten lagen mit 3,84 und 3,81 sehr nah beieinander. Hierbei wurden 46,7 % der Fragen ohne VerĂ€nderungen beantwortet (Differenz < ±0,05), 43,3 % zeigten eine Verschlechterung und 10 % eine Verbesserung. Eine detaillierte Tabelle hierzu finden Sie in der e-Paper-Version dieses Beitrags. Dieses Muster deutete darauf hin, dass sich wĂ€hrend der Übung STJU23 die wahrgenommene Belastung und UnterstĂŒtzung in bestimmten Bereichen verschlechterte, jedoch keine grĂ¶ĂŸeren VerĂ€nderungen in der Gesamtheit auftraten.

Im Gegensatz dazu fand sich fĂŒr die Übung LOLE24 ein anderes Muster: Hier blieb bei 33,3 % der Fragen die Bewertung ohne signifikante VerĂ€nderungen, wĂ€hrend 56,7 % eine Verschlechterung aufweisen und 10 % eine Verbesserung zeigten (siehe Tabelle 1 in der E-Paper-Version). Diese Verteilung könnte darauf hindeuten, dass trotz des Zugangs zum Freien und der variierenden Infrastruktur von LOLE24 die Dienstbedingungen in bestimmten Aspekten als belastend wahrgenommen wurden. Die Herausforderungen des Standorts und die eingeschrĂ€nkte KonnektivitĂ€t könnten dabei einen Einfluss haben. Die Mittelwerte der Fragebögen zu beiden Befragungszeitpunkten lagen mit 3,89 und 3,81 nah beieinander. Wenn auch mit einem deutlicheren Unterschied im Vergleich zu STJU23.

Diskussion

Die Analyse der durchschnittlichen Bewertungen und Standardabweichungen fĂŒr die beiden Übungen STJU23 und LOLE24 zeigte eine insgesamt konstante Wahrnehmung der Dienstbedingungen vor und nach den Übungen, jedoch mit leichten, aber relevanten Unterschieden. So blieb der Mittelwert fĂŒr STJU23 nahezu unverĂ€ndert und sank nur geringfĂŒgig von 3,84 auf 3,81. Auch bei LOLE24 fand sich eine Ă€hnliche Entwicklung mit einem Abfall des Mittelwerts von 3,89 auf 3,81. Diese kleinen VerĂ€nderungen deuten darauf hin, dass die allgemeinen UmstĂ€nde und UnterstĂŒtzungsstrukturen von den Soldatinnen und Soldaten als weitgehend stabil wahrgenommen wurden. Die minimalen Unterschiede könnten auf die spezifischen Umgebungsbedingungen und Belastungen der jeweiligen Übungen zurĂŒckzufĂŒhren sein.

Ein interessanter Aspekt ist die höhere Standardabweichung bei LOLE24 (0,36 nach der Übung) im Vergleich zu STJU23 (0,28 nach der Übung). Dies deutet darauf hin, dass die Wahrnehmungen der Dienstbedingungen bei LOLE24 stĂ€rker variierten, was auf eine breitere Bandbreite an Erfahrungen innerhalb der Soldatinnen und Soldaten hinweist. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen könnten auf die abweichende Infrastruktur und den Einsatzort bei LOLE24 zurĂŒckzufĂŒhren sein, wo sowohl Zeltbauten im Freien als auch feste Infrastruktur genutzt wurden. Im Gegensatz dazu fand STJU23 in einem NATO-Bunker statt, in dem die Bedingungen konstant und relativ kontrolliert waren. Diese kontrollierte Umgebung könnte die Wahrnehmung der Dienstbedingungen stabilisiert haben, wĂ€hrend die variablere Umgebung bei LOLE24 mit Kommandoposten im Freien und wechselnden Witterungsbedingungen zu unterschiedlichen Bewertungen fĂŒhrte. Studien zeigen, dass extreme oder isolierte Umgebungen, wie die Antarktis oder U-Boot-EinsĂ€tze, Ă€hnliche Herausforderungen fĂŒr Resilienz und psychisches Wohlbefinden darstellen [9][10][13].

Die Ergebnisse der Faktorenanalyse verdeutlichen dies. Besonders auffĂ€llig sind die Unterschiede in den Faktoren Beziehungen zu Kameraden (Faktor 3) und dienstbezogene EinschrĂ€nkungen (Faktor 4), die bei LOLE24 eine stĂ€rkere VariabilitĂ€t aufweisen. Dies könnte auf die Infrastruktur und die begrenzte Kommunikation zwischen den Standorten zurĂŒckzufĂŒhren sein, die bei LOLE24 stĂ€rker ausgeprĂ€gt waren als bei STJU23. Was wiederum zeigt, dass interpersonelle UnterstĂŒtzung und kameradschaftliche Beziehungen unter erschwerten Kommunikationsbedingungen weniger stabil sind. Solche Bedingungen können potenziell das GefĂŒhl von Isolation verstĂ€rken und damit die psychische Belastung erhöhen, was sich negativ auf die Resilienz der Soldatinnen und Soldaten auswirkt [5]. Faktor 4 (dienstbezogene EinschrĂ€nkungen), der sich auf die notwendigen Ressourcen und klaren Zielvorgaben bezieht, zeigt ebenfalls eine leicht höhere Streuung bei LOLE24. Dies deutet auf die Anforderungen in den temporĂ€ren Kommandoposten im Freien hin, welche weniger strukturierte Dienstbedingungen bieten als ein fester NATO-Bunker. Solche EinschrĂ€nkungen in der Dienstumgebung könnten die AusfĂŒhrung von Aufgaben erschweren und zu einer erhöhten Wahrnehmung von Belastung fĂŒhren. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, diese Faktoren bei zukĂŒnftigen Planungen zu berĂŒcksichtigen. Anpassungen wie verbesserte Kommunikationsstrukturen, klarere Ressourcenzuteilung und stĂ€rkere TeamunterstĂŒtzung könnten dazu beitragen, die Dienstbedingungen der Soldatinnen und Soldaten zu verbessern und psychische Belastungen zu mindern.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse der Gesamtdaten, dass die dienstlichen UmstĂ€nde bei beiden Übungen insgesamt stabil bewertet wurden, wobei die spezifischen Umgebungsbedingungen jedoch einen Einfluss auf die Wahrnehmung haben. Die leicht stĂ€rkeren Schwankungen und die variablere Wahrnehmung bei LOLE24 legen nahe, dass eine strukturell einheitliche Umgebung wie bei STJU23 zu einer homogeneren und stabileren Wahrnehmung der Dienstbedingungen fĂŒhren kann. Diese Erkenntnisse betonen die Wichtigkeit, UnterstĂŒtzungsmaßnahmen und Ressourcen an die besonderen Anforderungen multinationaler EinsĂ€tze anzupassen, um die Dienstbedingungen und das Wohlbefinden der Soldatinnen und Soldaten nachhaltig zu fördern [2][6]. In zukĂŒnftigen Übungen könnte eine verstĂ€rkte strukturelle und kommunikative UnterstĂŒtzung an Einsatzorten wie bei LOLE24 dazu beitragen, die wahrgenommene Belastung zu reduzieren und die Konsistenz in der Wahrnehmung der Dienstbedingungen zu erhöhen.

Ein detaillierter Blick auf die Einzelfragenanalyse offenbart weitere interessante Muster, die auf spezifische Aspekte der Dienstbedingungen hinweisen. Bei der Übung STJU23 gab es nur minimale VerĂ€nderungen in der Bewertung einzelner Fragen, was eine weitgehend stabile Wahrnehmung ĂŒber die Übung hinweg nahelegt. Ein auffĂ€lliger Punkt war jedoch die Verbesserung bei der Frage zur BekĂ€mpfung von inakzeptablem Verhalten, die einen positiven Zuwachs von 0,41 verzeichnete. Dies deutet darauf hin, dass das Wahrnehmen und Ansprechen problematischer Verhaltensweisen innerhalb der kontrollierten Bunkerumgebung effektiver umgesetzt werden konnten. Im Gegensatz dazu zeigt die Übung LOLE24 grĂ¶ĂŸere Schwankungen in den Bewertungen einzelner Fragen, insbesondere bei der kameradschaftlichen UnterstĂŒtzung und der Einflussnahme auf Teamprozesse. Beispielsweise sank die Bewertung zur Aussage „I feel respected by my comrades“ um 0,21 Punkte, was auf Herausforderungen im kameradschaftlichen Zusammenhalt hindeuten könnte, möglicherweise aufgrund des Standortes und der eingeschrĂ€nkten KonnektivitĂ€t [12]. Ähnliche Tendenzen zeigten sich bei der Frage zur Einflussnahme im Team, bei der die Bewertung um 0,25 Punkte zurĂŒckging. Diese spezifischen Abweichungen deuten darauf hin, dass die Bedingungen bei LOLE24, insbesondere die Anpassung an temporĂ€re Strukturen, die Kommunikation und das GefĂŒhl der Mitgestaltung erschwerten [1]. Die Einzelfragenanalyse bestĂ€tigt somit, dass die variablen Umgebungsbedingungen bei LOLE24 zu einer kritischeren Wahrnehmung in bestimmten Aspekten der Teamdynamik und der DienstunterstĂŒtzung fĂŒhrten.

Kernaussagen

  • Multinationale NATO-Übungen stellen hohe psychische Anforderungen an Soldatinnen und Soldaten.
  • TeamunterstĂŒtzung und kameradschaftliche Beziehungen sind wesentliche Faktoren fĂŒr die psychische Gesundheit in militĂ€rischen Kontexten.
  • Abweichende Dienstbedingungen fĂŒhren zu unterschiedlichen Wahrnehmungen der Belastungen und erfordern angepasste UnterstĂŒtzungsstrategien.
  • Das angepasste Culture of Care Barometer hilft, belastende Dienstbedingungen zu identifizieren und die militĂ€rische FĂŒhrung bei der Optimierung interner Prozesse zu unterstĂŒtzen.

Literatur

  1. Carrùre S, Evans GW, Stokols D: Winter-over stress: physiological and psychological adaptation to an antarctic Iiolated and confined environment. In: Harrison AA, Clearwater YA, McKay CP (eds): From antarctica to outer space. New York, NY: Springer; 1991; 229–237. mehr lesen
  2. Duffield M: Challenging environments: danger, resilience and the aid industry. Security Dialogue 2012; 43(5): 475–492. mehr lesen
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  13. WądoƂowska D: Protection of the mental health of soldiers as a guarantee of their personal safety. Kultura BezpieczeƄstwa Nauka – Praktyka - Refleksje 2019; 34(34): 182–202. mehr lesen
  14. Weinreich F, Korterink W, Schnadthorst PG: Impact of a NATO exercise on soldiers' conditions of service and mental health. WMM 2024; 68(7-8): 324-334. mehr lesen
  15. Exercise STEADFAST JUPITER 2023 Concludes: A tremendous demonstration of collaboration and warfighting readiness: JWC - NATO. , letzter Aufruf 5. November 2024. mehr lesen

Manuskriptdaten

Zitierweise

Weinreich F, Geerkens L, Schnadhorst PG: Strukturierte Erfassung, Auswertung und Interpretation von potenziell belastenden Dienstbedingungen wĂ€hrend der NATO-Übungen Steadfast Jupiter 2023 (STJU23) und Loyal Leda 2024 (LOLE24). WMM 2025; 69 (1–2): 29-33

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-395

FĂŒr die Verfasser

Oberstabsarzt Dr. med. Felix Weinreich, MHBA

Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz

Abteilung XVI – Laboratoriumsmedizin

RĂŒbenacher Straße 170, 56072 Koblenz

E-Mail: felixweinreich@bundeswehr.org

Manuscript Data

Citation

Weinreich F, Geerkens L, Schnadhorst PG: Structured Assessment, Evaluation, and Interpretation of Potentially Stressful Service Conditions During the NATO Exercises Steadfast Jupiter 2023 (STJU23) and Loyal Leda 2024 (LOLE24). WMM 2025; 69 (1–2): 29-33.

DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-395

For the Authors

Major Dr. med. Felix Weinreich, MD, MHBA, MBA

Bundeswehr Central Hospital Koblenz

Department XVI – Laboratory Medicine

Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz

RĂŒbenacher Straße 170, 56072 Koblenz

E-Mail: felixweinreich@bundeswehr.org

 

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