Wehrmedizinische Monatsschrift

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Editorial
Editorial
Heinz Gerngroß-Förderpreis
Heinz Gerngroß-Förderpreis 2024 vergeben


Heinz Gerngroß-Förderpreis
Anwendung von nicht-invasivem physikalischem Plasma in einem in vitro Gewebemodell aus Fibroblasten und Epithelzellen:​ Gesteigerte Besiedlung von Netzimplantaten





Heinz Gerngroß-Förderpreis
Lungengewebeschnitte in der wehrmedizinischen Toxikologie:​ Vom „LungengummibĂ€rchen“ zum hochfunktionellen ­PrĂ€zisionslungenschnitt

Heinz Gerngroß-Förderpreis 2024
PraktikabilitÀtstestung der Bakteriophagentherapie am Bundeswehrkrankenhaus Berlin


Heinz Gerngroß-Förderpreis
TRP-KanÀle (transient receptor potential channels) als neues ­therapeutisches Ziel zur Behandlung der akuten Strahlenkrankheit


Heinz Gerngroß-Förderpreis
Unterschiede in der radiologischen Beurteilung retroperitonealer Lymphknoten bei Hodentumorpatienten:​ Einfluss auf das klinische Stadium und die Therapie?



Heinz Gerngroß-Förderpreis
Strukturierte Erfassung,​ Auswertung und Interpretation von ­potenziell belastenden Dienstbedingungen wĂ€hrend der NATO-Übungen ­Steadfast Jupiter 2023 (STJU23) und Loyal Leda 2024 (LOLE24)




Rehabilitationsmedizin
Moderne Rehabilitation Schwerverletzter im zivilmilitÀrischen Kontext




Zahnmedizin
Nachweis lebensfÀhiger oraler Bakterien von Patienten auf dem Mund-Nasen-Schutz von ZahnÀrzten




Tagungen und Kongresse
Der SanitĂ€tsdienst als Key Enabler der Landes- und BĂŒndnisverteidigung







Tagungen und Kongresse
2.​ Kongress der Gesundheitsfachberufe der DGWMP e.​ V.​
Aus dem SanitÀtsdienst
Habilitation von Oberfeldarzt PD Dr.​ med.​ Stefan Eder an der LMU
Mitteilungen der DGWMP e.​V.​
HEINZ GERNGROß-FÖRDERPREIS 2025
Mitteilungen der DGWMP e.​ V.​
Geburtstage Februar/​MĂ€rz 2025
Tagungen und Kongresse PDF

DER SANITÄTSDIENST ALS KEY ENABLER DER LANDES- UND BÜNDNISVERTEIDIGUNG

55. Kongress der DGWMP e. V. vom 14. bis 16. November 2024 in Augsburg

Vom 14. bis 16. November 2024 fand im Kongresszentrum am Park in Augsburg der 55. Kongress der DGWMP e. V. statt. Die drei Kongresstage standen unter dem Motto: „Der SanitĂ€tsdienst als Key Enabler der BĂŒndnis- und Landesverteidigung“. Vor dem Hintergrund der anhaltenden weltweiten Konflikte konnte der Themenschwerpunkt kaum besser gewĂ€hlt werden. Es galt, die Anforderungen an Forschung, Einsatzbereitschaft und medizinische Versorgung vor dem Hintergrund aktueller sicherheitspolitischer Entwicklungen herauszuarbeiten und zu diskutieren.

Mehr als 350 Teilnehmende fanden den Weg in die Fuggerstadt Augsburg, darunter Expertinnen und Experten aus Österreich, der Schweiz, Ungarn und Norwegen. Sie konnten sich ĂŒber drei Kongresstage nicht nur intensiv untereinander austauschen, sondern auch in den Dialog mit 55 Ausstellenden der begleitenden Industrieausstellung treten. Der Einsatz robuster Medizintechnik, die VerfĂŒgbarkeit geeigneten Verbandmaterials und der Einsatz moderner Pharmaka und Impfstoffe tragen entscheidend dazu bei, das Überleben und die Rehabilitation Verletzter zu ermöglichen. Dies zeigt sich nur zu deutlich im Nahen Osten und in der von Russland ĂŒberfallenen Ukraine. Umso wichtiger ist es, dass Anwender, Planer und Materialverantwortliche sich aus erster Hand ĂŒber medizinische Innovationen informieren und austauschen können. Mit dem Kongresszentrum am Park stand hierfĂŒr und fĂŒr alle anderen Teile des umfassenden Kongressprogramms ein hervorragender Rahmen zur VerfĂŒgung.

Abb. 2: Eindrucksvoller Auftakt zu festlichen OrgelklÀngen

Feierliche Kongresseröffnung

PĂŒnktlich um 10:30 Uhr eröffnete ein musikalisches Entree von Sven Koblischek, der eine Fantasie ĂŒber das Kirchenlied „Ein feste Burg“ spielte, die Veranstaltung.
Der TagungsprĂ€sident Oberfeldarzt Dr. Dr. AndrĂ© MĂŒllerschön aus dem SanitĂ€tsversorgungszentrum Neubiberg begrĂŒĂŸte die Teilnehmenden im gut besetzten Kongresssaal. Er war wie der wissenschaftliche Leiter des Kongresses, Oberstarzt Prof. Dr. Dirk Steinritz vom Institut fĂŒr Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr in MĂŒnchen, froh, dass es nach monatelanger Vorbereitungsarbeit endlich losging. Die Moderation des Vormittags ĂŒbernahm Oberstabsarzt Constanze BrĂŒckner, die durch das Programm fĂŒhrte und den verschiedenen Rednerinnen und Rednern das Wort ĂŒbergab.

Abb. 1: Oberfeldarzt Dr. Dr. AndrĂ© MĂŒllerschön begrĂŒĂŸt als TagungsprĂ€sident die Anwesenden.

Grußworte

FĂŒr die gastgebende Stadt Augsburg begrĂŒĂŸte der Ordnungsreferent Frank Pintsch die Teilnehmenden und hieß diese in Augsburg herzlich willkommen. Er zeigte sich besonders erfreut darĂŒber, dass die Teilnehmenden vor ihm wĂŒssten, dass der Mensch nicht nur aus Körper, sondern ebenso aus Geist und Seele bestehe. Er betonte außerdem, dass Augsburg sich als Friedensstadt verstehe. „Frieden und Freiheit sind nicht selbstverstĂ€ndlich,“ merkte er an und hob die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen zivilen und militĂ€rischen Verwaltungen hervor. Es brauche finanzielle Ressourcen, um unser Land in den drei hervorzuhebenden Bereichen Infrastruktur, Wissensmanagement und Kontakte weiterzubringen. Abschließend drĂŒckte er die Hoffnung aus, dass eine Zusammenarbeit im Ernstfall nicht erforderlich werde, trotzdem sei er „gottfroh, dass wir wissen, dass wir es könnten und, dass wir zusammenstehen, wenn es denn notwendig wird“.

Abb. 3: Frank Pintsch begrĂŒĂŸte die Teilnehmenden im Namen der Stadt Augsburg.

Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, PrĂ€sidentin der UniversitĂ€t Augsburg, hob in Ihrem Grußwort die Bedeutung der Veranstaltung fĂŒr die Stadt hervor. „Ich danke Ihnen besonders, dass Sie mit dieser Veranstaltung hier in Augsburg ein Zeichen fĂŒr die Zukunft und eine wehrhafte Demokratie setzen,“ sagte sie. Zudem betonte sie die Bedeutung der Zusammenarbeit und die Verantwortung, sich den sicherheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft bewusst zu stellen.

Abb. 4: Prof. Dr. Doering-Manteuffel bei ihrem Grußwort

Kongresseröffnung und Auszeichnungen

Der PrĂ€sident der DGWMP e. V., Generalstabsarzt a. D. Dr. Stephan Schoeps, eröffnete den 55. Kongress offiziell und sprach von der Herausforderung, in der Bevölkerung ein Bewusstsein fĂŒr die aktuelle sicherheitspolitische Zeitenwende zu schaffen. „Schlachten werden im Feuerkampf gewonnen, aber Kriege mit einem vernĂŒnftigen SanitĂ€tsdienst,“ so Schoeps. Traditionell wurden in diesem Rahmen die lehrgangsbesten OffizieranwĂ€rterinnen und -anwĂ€rter des Jahres ausgezeichnet – Personen, die „im Rahmen des Laufbahnlehrganges als Gesamtpersönlichkeit leistungsmĂ€ĂŸig und charakterlich ĂŒberzeugen und in Haltung und PflichterfĂŒllung vorbildlich sind.“ Schoeps betonte, dass jede Auszeichnung eigentlich viel mehr Ansporn als Dank sei. Ausgezeichnet wurden aus den Gruppen der

SanitÀtsoffizieranwÀrter
Leutnant SanAO Maria Magdalena Sturm

OffizieranwÀrter des militÀrfachlichen Dienstes im MilitÀrmusikdienst der Bundeswehr
Leutnant Stephanie Witte

OffizieranwÀrter im Truppendienst des SanitÀtsdienstes der Bundeswehr
Oberfeldwebel OA Johannes Peter

Abb. 5: Auszeichnung der Jahrgangbesten OffizieranwÀrter: Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann, Leutnant San OA Sturm, Leutnant Witte, Generalstabsarzt a. D. Dr. Schoeps, Oberfeldwebel OA Johannes Peter und Generalstabsarzt Dr. Holtherm (von links)

Verleihung des Paul-SchĂŒrmann-Preises 2024

Seit 1968 verleiht die DGWMP e. V. zur Förderung der wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Wehrmedizin alle zwei Jahre den „Paul-SchĂŒrmann-Preis“. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Wehrmedizin und Wehrpharmazie einschließlich relevanter Nebengebiete. Die Arbeiten sind schriftlich einzureichen und werden von einer Kommission begutachtet. Die QualitĂ€t der fĂŒr den diesjĂ€hrigen Wettbewerb eingereichten Arbeiten war wieder so gut, dass die Bewertungskommission keinen einzelnen Sieger festlegen konnte. Der Paul-SchĂŒrmann-Preis 2024 wurde deshalb an drei Teilnehmende zu gleichen Teilen vergeben. Wettbewerbssieger 2024 wurden:

Oberfeldarzt Dr. Daniel Gagiannis und Oberstarzt Prof. Dr. Dr. rer. nat. Konrad Steinestel:
„Klinik, Pathophysiologie und wehrmedizinische Bedeutung des pulmonalen postCOVID-Syndroms“

Oberfeldarzt Prov.-Doz. Dr. Tim Nestler:
„Übertherapie von Lymphadenektomie nach Chemotherapie (pcRPLND) bei metastasierten Hodentumorpatienten – vom relevanten klinischen Problem zu neuer molekularbiologischer Diagnostik“

Oberstabsarzt Dr. Aliona Wöhler:
„LiBoD – Liquid Biopsy in Organ Damage – ExoView small extracellular vesicle chip-based assessment of polytrauma“

Der PrĂ€sident der DGWMP e. V. ĂŒberreichte die Urkunden und Preise. Kurzfassungen der eingereichten Arbeiten werden in der MĂ€rzausgabe 2025 der Wehrmedizinischen Monatsschrift (WMM) erscheinen.

Nach der Preisverleihung gab es ein musikalisches Intermezzo, bei dem eine Improvisation einer ukrainischen Volksweise nach Mykola Lyssenko zu hören war.

Festvortrag

Oberstarzt Prof. Dr. Dirk Steinritz leitete auf das Thema des diesjĂ€hrigen Festvortrags ĂŒber. Bevor er den Festredner vorstellte, hob er hervor, dass der Begriff „Zeitenwende“ eng mit den Forderungen nach KriegstĂŒchtigkeit sowie einer gestĂ€rkten FĂ€higkeit zur Landes- und BĂŒndnisverteidigung verbunden sei. Er lenkte den Fokus auf die zentrale Rolle des SanitĂ€tsdienstes im Rahmen der BĂŒndnis- und Landesverteidigung. Mit der medizinischen Versorgung eigener und alliierter Soldaten sei der SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr eine wesentliche KernfĂ€higkeit der KriegstĂŒchtigkeit. Als entscheidender Key Enabler der BĂŒndnis- und Landesverteidigung sei er Bedarfsdecker fĂŒr die Forderungen und Erwartungen der NATO, der Bundeswehr sowie der zivilen Seite – vor diesem Hintergrund wurde das Thema des diesjĂ€hrigen Kongresses gewĂ€hlt.

Abb. 6: Oberstarzt Prof. Dr. Steinritz stellte den Festredner vor und leitete auf das Thema hin.

Anschließend stellte er den Festredner, Prof. Josef Hecken, vor. Prof. Hecken ist seit Juli 2012 unparteiischer Vorsitzender des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Die vom G-BA im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags erlassenen Richtlinien zu einer ausreichenden, zweckmĂ€ĂŸigen und wirtschaftlichen Gesundheitsversorgung sind fĂŒr Krankenversicherer wie Leistungserbringer bindend.

In seinem Vortrag zu den „Herausforderungen fĂŒr die Gesundheitsversorgung im Kontext von Kosten und Demografie“ lieferte Prof. Dr. Hecken außergewöhnlich tiefgehende fachliche Einblicke, die er mit statistischen Analysen untermauerte. Mit Leidenschaft und klarer Überzeugung trug er seine Argumente vor.

Abb. 7: Prof. Hecken fesselte das Auditorium mit seiner Festrede

Auch Prof. Hecken hob die Begriffe Zeitenwende und KriegstĂŒchtigkeit heraus. Dabei stellte er heraus, dass eine klare Corporate Identity fĂŒr den SanitĂ€tsdienst essenziell sei – eine Corporate Identity, welche dazu beitrĂ€gt, sagen zu können „das ist meine Heimat. Hier habe ich eine Gruppe und eine Truppe, die sich eben der Humanitas verschrieben hat und hier werde ich eben nicht nur wertgeschĂ€tzt, sondern hier kann ich die exzellenten Kenntnisse, die ich habe, in die Versorgung einbringen.“ Nur durch eine starke Identifikation könne es langfristig gelingen, das notwendige Personal zu gewinnen und den Auftrag zu erfĂŒllen. Wenn es darauf ankommt, seien das zivile Gesundheitswesen sowie der SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr gefordert, rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr im Einsatz zu sein. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sei es von entscheidender Bedeutung, die Resilienz im Gesundheitswesen zu stĂ€rken, insbesondere das Durchhaltevermögen bei langanhaltenden Belastungssituationen.

DarĂŒber hinaus unterstrich er die Wichtigkeit einer strukturierten Zusammenarbeit – ĂŒber BundeslĂ€ndergrenzen hinweg sowie zwischen ziviler Seite und Bundeswehr. „Wir mĂŒssen miteinander sprechen, um eben optimierte gemeinsame Konzepte zu entwickeln, aus denen dann auch beide Seiten profitieren können“, betonte Hecken. Dabei sei die Verpflichtung zur Humanitas und zum Schutz von Leib, Leben und Gesundheit der Menschen eine gemeinsame Basis, unabhĂ€ngig vom spezifischen Auftrag. Abschließend erklĂ€rte er: „Sie im Rahmen Ihres Auftrages – ich im Rahmen meines Auftrages. Und wir gemeinsam im Rahmen eines gemeinschaftlichen Auftrages.“

Mit AuszĂŒgen in freier Variation aus dem ersten Satz von Beethovens Tripelkonzert und den von Oberstabsbootsmann Stefanie Hippler eindrucksvoll gesungenen Hymnen klang die Kongresseröffnung aus.

Abb. 8: Über Fachgebiete und Generationen hinweg besteht auf den Kongressen der DGWMP e. V. die Gelegenheit zum fachlichen Austausch: Oberstarzt Prof. Dr. Zimmermann, Psychiater, Generalarzt a. D. Dr. Becker, Chirurg, und Oberstarzt Dr. Sandra Chmieleck, ZahnĂ€rztin und Referatsleiterin aus dem Kommando SanDst diskutieren in einer Kongresspause.

Wissenschaftliches Programm

Am Nachmittag des ersten Tages startete das wissenschaftliche Programm mit zahlreichen Workshops (z. B. zum Thema Mentoring und zum Einsatz kĂŒnstlicher Intelligenz bei klinischen Entscheidungen), dem Besuch der Industrieausstellung und einer umfangreichen Poster-PrĂ€sentation mit insgesamt 46 Teilnehmenden, die sich auf den fĂŒr Freitag, den 15. November 2024, terminierten Jurybesuch im Rahmen des Posterwettbewerbs vorbereiteten. Im Kongresssaal standen u. a. die ForschungsaktivitĂ€ten der NATO Science and Technology Organization (Dr. Blatny aus Norwegen), die Neufassung der NATO Principles of Medical Support (Oberstarzt Dr. Mayer) und das Thema „Katastrophenmedizin im Kriegsfall – was passiert auf ziviler Seite?“ (Dr. Follmann, DGKM) auf der Agenda. Die genannten VortrĂ€ge reprĂ€sentieren nur einen kleinen Ausschnitt aus der FĂŒlle der Themen, die den ersten Kongresstag erst kurz vor 19 Uhr ausklingen ließen.

Auch am zweiten Kongresstag lebte der Kongresssaal durch ein abwechslungsreiches Vortragsprogramm, das eine breite Palette an Themen bot. Die BeitrĂ€ge umfassten aktuelle Forschungsergebnisse ebenso wie praxisorientierte VortrĂ€ge – viele widmeten sich dem diesjĂ€hrigen Motto: „Der SanitĂ€tsdienst als Key Enabler der BĂŒndnis- und Landesverteidigung“. Insbesondere Fragen zur KaltstartfĂ€higkeit und Kriegstauglichkeit des SanitĂ€tsdienstes standen im Fokus und regten zu Diskussionen an.

Wie auf allen Kongressen waren die Sitzungen der Arbeitskreise (AK) bestimmende Elemente. Jeder AK hatte ein eigenes Programm vorbereitet, das sich spezifischen Themen widmete und den Teilnehmenden Gelegenheit bot, tiefer in ihre jeweiligen Interessengebiete einzutauchen.

Abb. 9: Arbeitskreise haben an der fachlichen Arbeit in der DGWMP e. V. einen wesentlichen Anteil, wie das Beispiel des AK Zahnmedizin zeigt.

Young-Scientist-Poster-Award: Ein Format fĂŒr den Nachwuchs

Am Nachmittag des zweiten Tages stand ein Novum auf dem Programm: Die Session fĂŒr den „Young-Scientist-Poster-Award“. Dieses neue Format, das die bisherigen Posterpreise der klinischen und der Institutsforschung ersetzt, wurde ins Leben gerufen, um den wissenschaftlichen Nachwuchs gezielt zu fördern.

Der Award richtet sich an junge SanitĂ€tsoffiziere und Wissenschaftler bis zu einem Alter von 32 Jahren und mit einem Dienstgrad bis maximal Oberstabsarzt, Oberstabsapotheker, OberstabsveterinĂ€r, Major oder Regierungsrat. Die Bewertung erfolgt durch eine Jury, deren Urteil mit 75 % in die Gesamtwertung einfließt, sowie durch das Publikum, das 25 % der Bewertung ĂŒbernimmt.

Die VortrĂ€ge fanden im großen Kongresssaal statt. Damit wurde dem Nachwuchs eine BĂŒhne geboten, die nicht nur Sichtbarkeit garantierte, sondern auch ein klares Zeichen setzte: Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen nicht nur wahrgenommen, sondern aktiv gefördert werden. Der wissenschaftliche Leiter des Kongresses, Oberstarzt Prof. Dr. Steinritz, betonte die Intention, „den Nachwuchs in den Fokus zu stellen“. Zwar Ă€ußerte er den Wunsch nach einem in den kommenden Jahren noch besser gefĂŒllten Auditorium, doch bereits jetzt zeigte sich die Bedeutung dieses Formats fĂŒr die Nachwuchsförderung.

Das Interesse zur Teilnahme an der Session war groß: 17 Bewerbungen wurden eingereicht, von denen 10 zugelassen und 9 tatsĂ€chlich vorgestellt wurden. Die Themenvielfalt beeindruckte ebenso wie die rege Beteiligung der Institute, die mit mehreren BeitrĂ€gen vertreten waren.
Die Jury bestand aus drei Mitgliedern, darunter Oberstarzt Prof. Dr. Steinritz, und bewertete die VortrÀge nach verschiedenen Kriterien.

Die Session fĂŒr den Young-Scientist-Poster-Award zeigte die Vielfalt und Innovationskraft des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die VortrĂ€ge reichten von visionĂ€ren Projekten wie „STRESS“, das mittels Serious Gaming eine BrĂŒcke zwischen virtuellen Welten und realen militĂ€rmedizinischen Übungen schlĂ€gt, bis hin zu hochaktuellen AnsĂ€tzen wie der Nutzung von Bakteriophagen, die gezielt in die Rettungskette integriert werden könnten.

Auch praxisorientierte Forschung fand ihren Platz: Ein Beitrag ĂŒber „Food & Water Defense“ zeigte, wie aus Laborergebnissen ein operatives Lagebild erstellt werden kann, wĂ€hrend eine PrĂ€sentation zur kriminologischen Triage durch einen FeldjĂ€geroffizier verdeutlichte, wie interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit neue Perspektiven eröffnen kann. Von der Hochdurchsatzsequenzierung in der Radiobiologie bis zur Entwicklung innovativer Dekontaminationsprozesse wurde ein faszinierender Bogen zwischen Theorie und Praxis gespannt – eine echte Bereicherung fĂŒr das Kongressprogramm.

Nach intensiver Beratung und Publikumsvotum standen die PreistrĂ€ger fest. Der erste Young-Scientist-Poster-Award der DGWMP e. V. wurde im Rahmen des Festabends verliehen. Oberstarzt Prof. Dr. Steinritz betonte dabei in seiner kurzen Ansprache, dass die VortrĂ€ge „herausragend“ gewesen seien und man bei der Bewertung die zweite Dezimalstelle hĂ€tte bemĂŒhen mĂŒssen.

PreistrÀger waren:

1. Platz
Stabsarzt Jan Klaas Janßen
„Nachweis von Francisella tularensis mittels rekombinanter Reporterfusionsproteine“

2. Platz
Stabsapotheker Amelie Schwab
„Systematische Evaluierung von Dekontaminationsprozessen des hochtoxischen Nervenkampfstoffs VX anhand eines modifizierten Ellman-Assays“

3. Platz
StabsveterinÀr Jana Stender
„Therapeutische Bakteriophagen im Galleria mellonella-Infektionsmodell“

Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen des Gesellschaftsabends am Freitagabend.

Heinz Gerngroß-Förderpreis 2024

Ein weiteres Highlight des zweiten Kongresstages war der Wettbewerb um den Heinz Gerngroß-Förderpreis 2024. Einen gesonderten Bericht sowie Extended Abstracts von WettbewerbsvortrĂ€gen finden Sie in dieser Ausgabe.

 

Abb. 10: Verleihung des Young-Scientist-Poster-Award im Rahmen des Festabends: (von links): Oberfeldarzt Prof. Dr. Paul Elsinghorst, Stabsarzt Jan Klaas Janßen (1. Platz), Stabsapotheker Amelie Schwab (2.Platz), StabsveterinĂ€r Jana Stender (3. Platz) und der wissenschaftliche Leiter des Kongresses Oberstarzt Prof. Dr. Dirk Steinritz

Festabend

Bevor am letzten Kongresstag (Samstag, den 16. November 2024) der Befehlshaber des Zentralen SanitÀtsdienstes der Bundeswehr, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, seinen Lagevortrag hielt, begingen die Teilnehmenden den traditionellen Festabend des Kongresses.

Höhepunkte waren die Verleihungen des Young-Scientist-Poster-Award und des Heinz Gerngroß-Förderpreises – fĂŒr die Sieger und auch fĂŒr alle an den Wettbewerben Teilnehmenden, die zu dem Abend eingeladen waren, ein sicher ĂŒber lange Zeit in Erinnerung bleibendes Ereignis.

Fachgesellschaften wie die DGWMP e. V. können ohne das Engagement ihrer Mitglieder ihre Aufgaben nicht erfĂŒllen. Die DGWMP e. V. ehrt in jedem Jahr Mitglieder, die sich besonders um die Gesellschaft verdient gemacht haben, mit der Verleihung der Plakette „Pro Meritis“. Der PrĂ€sident der DGWMP e. V., Generalstabsarzt a. D. Dr. Schoeps, zeichnete in diesem Jahr

  • Oberstarzt a. D. Dr. Friedhelm Siebert
  • Oberfeldarzt Dr. Guido MĂŒhlmeier
  • Oberstabsarzt Dr. Sonja Förster
  • Stabsfeldwebel Patrick Förster

mit der Plakette aus.

Abb. 11: Verleihung der Plakette „Pro Meritis“ der DGWMP e. V. durch den PrĂ€sidenten an Oberstarzt a. D. Dr. Friedhelm Siebert (oben links), Oberfeldarzt Dr. Guido MĂŒhlmeier (oben rechts), Oberstabsarzt Dr. Sonja Förster (unten links) und Stabsfeldwebel Patrick Förster (unten rechts)

Die gute Stimmung der Anwesenden und das Engagement prominenter LosverkĂ€uferinnen und -verkĂ€ufer stellten den Verkauf nahezu aller Tombola-Lose sicher, die den Gewinn attraktiver gestifteter Preise in Aussicht stellten. So kam ein guter vierstelliger Betrag zusammen, der von der DGWMP e. V. auf 6000,- Euro aufgerundet wurde. Das Geld ging zu gleichen Teilen an das Soldatenhilfswerk der Bundeswehr e. V., den Förderverein zur UnterstĂŒtzung der Arbeit mit Versehrten am Standort Warendorf (FUAV) und das Bundeswehrsozialwerk.

Lagevortrag Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann

Der Befehlshaber des Zentralen SanitĂ€tsdienstes der Bundeswehr und Stellvertretende Befehlshaber des UnterstĂŒtzungskommandos der Bunderwehr, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann, eröffnete am Samstagmorgen mit einem eindrucksvollen Vortrag den letzten Kongresstag.

Abb. 12: Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann bei seinem Lagevortrag

„Wir sind schon ein SanitĂ€tsdienst, der es drauf hat“,
stellte er mit einigem Stolz fest.

Seine 12 Punkte umfassende Agenda war hinter ihm eingeblendet. Sie bildeten das GerĂŒst fĂŒr seinen einstĂŒndigen Vortrag, der die Zuhörer bis zur letzten Minute fesselte. Sie werden im Folgenden kurz angerissen.

Der erste Punkt, Bundeswehr und SanitĂ€tsdienst, hob die entscheidende Rolle des SanitĂ€tsdienstes hervor. Dr. Hoffmann stellte klar, dass der SanitĂ€tsdienst zusammen mit den „scharfen Waffen“ als zentrale Determinante fĂŒr den Erfolg einer Kampagne fungiert, und knĂŒpfte damit an die Festrede von Prof. Hecken an. Im Zuge der jĂŒngsten Umstrukturierungen habe ein „Kassensturz“ deutlich gemacht, dass insbesondere bei den „Enablern“ erhebliche LĂŒcken bestehen. WĂ€hrend der Fokus oft auf die „scharfe Seite der StreitkrĂ€fte“ gerichtet wurde, seien andere Bereiche vernachlĂ€ssigt worden. Dabei sieht er den SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr im Auftrag der Landes- und BĂŒndnisverteidigung jedoch als einen bereits leistungsfĂ€higen Akteur.

Im zweiten Punkt, Mission und EinsĂ€tze, betonte Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann die weltweit einzigartige Rettungskette des SanitĂ€tsdienstes der Bundeswehr, die von der Frontlinie bis zur Rehabilitation reicht. Er unterstrich, dass diese umfassende Versorgung nur noch in wenigen LĂ€ndern existiere. Dabei verwies er auf das Medical Manifesto, das mit „Forderungen zur StĂ€rkung der sanitĂ€tsdienstlichen LeistungsfĂ€higkeiten der NATO-Staaten“ erstellt wurde. Leider handele es sich bisher lediglich um ein Krisenpapier, dessen Umsetzung in den HĂ€nden der einzelnen LĂ€nder liege. Ein funktionierendes System dieser Art sei jedoch fĂŒr die Landes- und BĂŒndnisverteidigung unerlĂ€sslich.

Dr. Hoffmann wies auf die SchwĂ€chen in Bezug auf die vorhandenen Ressourcen hin: Zwar verfĂŒge der SanitĂ€tsdienst ĂŒber eine funktionierende FĂ€higkeit, doch diese sei quantitativ zu schwach ausgeprĂ€gt. Besonders vor dem Hintergrund der drĂ€ngenden Frage, „Was ist, wenn es heute Nacht losgeht?/Fight Tonight!“, mĂŒsse dringend gehandelt werden. In der BundeswehrfĂŒhrung spĂŒre man bisweilen Tendenzen, den SanitĂ€tsdienst „klein zu halten“, was Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann mit deutlichen Worten kritisierte: Dies sei ĂŒberhaupt nicht im Interesse der zukĂŒnftigen Patientinnen und Patienten. Er sprach sich nachdrĂŒcklich dafĂŒr aus, den SanitĂ€tsdienst auf allen Ebenen prĂ€sent zu halten und als unverzichtbaren Bestandteil eines ausgewogenen Systems der StreitkrĂ€fte zu etablieren. Die Ressource Mensch sei in den StreitkrĂ€ften zentral. Die DurchhaltefĂ€higkeit der StreitkrĂ€fte in einem lĂ€nger andauernden Konflikt hĂ€nge maßgeblich von der LeistungsfĂ€higkeit des SanitĂ€tsdienstes ab. Zwei SchlĂŒsseldokumente, der „OsnabrĂŒcker Erlass“ und die „FĂŒhrungsweisung des Generalinspekteurs der Bundeswehr“, seien entscheidend fĂŒr die weitere Ausgestaltung und EigenstĂ€ndigkeit des SanitĂ€tsdienstes. Sie gĂ€ben dem SanitĂ€tsdienst die Möglichkeit, die eigene Zukunft aktiv mitzugestalten.
Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann betonte auch die Rolle des SanitĂ€tsdienstes in der HumanitĂ€ren und Katastrophenhilfe. Hier verfĂŒge man ĂŒber wertvolle FĂ€higkeiten, die bei Bedarf abgerufen werden könnten. Gleichzeitig hob er hervor, dass der SanitĂ€tsdienst in der Landes- und BĂŒndnisverteidigung eigenstĂ€ndige EinsatzfĂŒhrungsstrukturen aufbauen mĂŒsse. In rein sanitĂ€tsdienstlichen EinsĂ€tzen liege die Verantwortung beim UnterstĂŒtzungskommando, das hierfĂŒr eine eigene Operationsabteilung geschaffen habe.

Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann rief nachdrĂŒcklich dazu auf, den SanitĂ€tsdienst stets sichtbar zu machen und seine Notwendigkeit zu betonen. „Immer wieder auf die Notwendigkeit des SanitĂ€tsdienstes hinweisen“ sei hier der Auftrag.

Herausforderungen der Landes- und BĂŒndnisverteidigung (LV/BV) wurden als dritter Agenda-Punkt vorgestellt. Die geopolitischen Entwicklungen, insbesondere der russische Überfall auf die Ukraine, hĂ€tten neue taktische und logistische Herausforderungen aufgezeigt, etwa den Einsatz von Drohnen und Abstandswaffen. Die Erfahrungen der KrĂ€fte in Litauen könnten bereits dazu beitragen, die Bedeutung von EigenstĂ€ndigkeit und Eigenverantwortung zu verdeutlichen

Im vierten Punkt, Bundeswehr der Zukunft, legte Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann dar, dass der SanitĂ€tsdienst als geschlossener Block agieren mĂŒsse, um die gesamte Rettungskette effektiv und aufeinander abgestimmt zu gestalten. „Das ist, glaube ich, leicht zu verstehen, denn wenn wir die Verantwortung haben fĂŒr die gesamte Rettungskette, dann können wir sicherstellen, dass es sich dabei auch um ein aufeinander abgestimmtes System handelt.“ Eine Gesamtverantwortung fĂŒr diesen Prozess sei aus seiner Sicht essenziell, um die LeistungsfĂ€higkeit des SanitĂ€tsdienstes der Zukunft sicherzustellen.

Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann betonte jedoch, dass die jĂŒngsten Umstrukturierungen Herausforderungen mit sich gebracht hĂ€tten, insbesondere den Verlust von EigenstĂ€ndigkeit. Dennoch mĂŒsse es gelingen, „trotz dieser Entscheidung oder gerade wegen dieser Entscheidung, [...] einen SanitĂ€tsdienst der Zukunft aus[zu]gestalten, der auch funktioniert.“ Die Entscheidung bezĂŒglich der Umstrukturierung sei gefallen, und nun gehe es darum, „weg von Befindlichkeiten und hin [...] zu einer Auftragsausrichtung“ zu kommen.

Er unterstrich die Bedeutung von Verantwortung – sowohl in Bezug auf Material und Beschaffung als auch auf die eigenen BedĂŒrfnisse des SanitĂ€tsdienstes. „Das ist wesentlich. Solche Verantwortungen mĂŒssen entsprechend umgesetzt und durchgesetzt werden.“ Sichtbarkeit, PrĂ€senz und Organisationsverantwortung seien dabei SchlĂŒsselbegriffe, die den SanitĂ€tsdienst in seiner Rolle stĂ€rken wĂŒrden.

Auch das Thema Personal spielte eine wesentliche Rolle in der Rede von Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann. Er sprach offen ĂŒber die bestehenden Herausforderungen und betonte, dass die Bundeswehr deutlich mehr Personal benötige, um den Anforderungen der Landes- und BĂŒndnisverteidigung gerecht zu werden. „Wir sind weit davon entfernt, ein wirklich voll funktionierendes System zu haben“, stellte er klar. Besonders in den regionalen sanitĂ€tsdienstlichen Einrichtungen sei die PrĂ€senz von Personal problematisch. „Mit dem, was wir haben, und unserem Anspruch, was wir gerne machen wĂŒrden – hier klafft eine vor allem quantitative LĂŒcke. Die werden wir nicht schließen können

Um dennoch handlungsfĂ€hig zu bleiben, sei es notwendig, vorhandene KrĂ€fte gezielt einzusetzen. „Ich werde das, was da ist, dann eben verteilen mĂŒssen“, erklĂ€rte Dr. Hoffmann, und fĂŒgte hinzu, dass es trotz mangelnder personeller Ressourcen wichtig sei, Reserven zu haben, um diese dann eben im Schwerpunkt des Gefechts auch einsetzen zu können.

Trotz der Schwierigkeiten unterstrich Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann eindringlich, dass die Standards fĂŒr die sanitĂ€tsdienstliche Versorgung nicht gesenkt werden dĂŒrften. „Wir mĂŒssen doch den Anspruch haben [...], dass wir fĂŒr unsere Patientinnen und Patienten möglichst gute sanitĂ€tsdienstliche Versorgung machen können.“ Diesen hohen Anspruch an die QualitĂ€t gelte es zu verteidigen – auch, wenn schwierige UmstĂ€nde die Arbeit herausforderten. „Wir leben in der Lage, wir machen das Beste draus“, so Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann.

Besonders wichtig sei, dass der SanitĂ€tsdienst der Bundeswehr weiterhin Verantwortung ĂŒbernehme, insbesondere in EinsatzrĂ€umen. „Viele meiner KrĂ€fte [...] werde ich in den Einsatz auch bringen mĂŒssen, um dort zu unterstĂŒtzen, denn im Einsatzraum wird es keiner fĂŒr uns machen. Punkt, Ausrufezeichen.“

In Bezug auf die zivil-militĂ€rische Zusammenarbeit betonte Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann die Notwendigkeit, belastbare Systeme zu etablieren, die im Bedarfsfall reibungslos und effektiv funktionieren. Wir mĂŒssten „
das Ganze jetzt, wo wir noch Zeit dafĂŒr haben, planen und festlegen“, sagte er. Besonders wichtig sei es, diese Zusammenarbeit im Vorfeld zu organisieren – „Ich kann es mir nicht leisten, bei einem sich schnell entwickelnden Szenario einer krisenhaften Entwicklung dann zu improvisieren“, unterstrich Dr. Hoffmann

Er wies zudem auf die zunehmende Bereitschaft auf ziviler Seite hin, die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr zu finanzieren und gemeinsame Übungen zu organisieren. Dies sei ein Schritt hin zu einer gesamtstaatlichen Verantwortung, die es ermögliche, die Ressourcen und KapazitĂ€ten optimal zu nutzen, um in Krisenzeiten schnell und effektiv reagieren zu können.

Ein weiteres zukunftsweisendes Thema war die Digitalisierung im SanitÀtsdienst, insbesondere im Hinblick auf optimierte Dokumentationsprozesse und elektronische Patientenakten.

Auch die Reserve im SanitĂ€tsdienst stand im Fokus. Mit knapp 5 000 Reservistinnen und Reservisten sei die Ressource zwar vorhanden, jedoch mĂŒssten Aufgaben klarer verteilt und ein besserer Überblick ĂŒber verfĂŒgbare Kompetenzen geschaffen werden. Neben der Reserve erwĂ€hnte Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann hier auch die MilitĂ€rmusik, welche in ihrer zweiten Funktion Teil des SanitĂ€tsdienstes ist.

Die Weiterentwicklung der BundeswehrkrankenhĂ€user war ein weiterer wichtiger Punkt in Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann‘s Rede. Er sprach ĂŒber das KVVG-Gesetz, das sich derzeit in der Abstimmung befindet, und nannte vier zentrale Forderungen, die in diesem Gesetz verankert werden sollen. Zum einen solle eine stĂ€ndige Integration der BundeswehrkrankenhĂ€user in die BettenplĂ€ne gewĂ€hrleistet werden. Zweitens sollen die Leistungsgruppen in der Lage sein, die Anschlussfinanzierung eigenstĂ€ndig festzulegen. Ein dritter Punkt sei die Erleichterung von Kooperationen mit Partnern, um die Zusammenarbeit mit zivilen Einrichtungen zu intensivieren und zu optimieren. Schließlich wurde die Forderung erhoben, dass Kassenpatienten im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten ambulant behandelt werden dĂŒrften.

 

Abb. 13: Das Plenum folgte mit großer Aufmerksamkeit dem Lagevortrag von Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann

Zum Thema KohĂ€sion sprach Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann direkt das VerhĂ€ltnis zwischen SanitĂ€tsdienst und Truppe an. Er betonte: „Wir sind Partner der StreitkrĂ€fte und wollen das auch sein.“ Es sei entscheidend, dass diese Partnerschaft gestĂ€rkt werde, da der Schulterschluss mit der Truppe in der Vergangenheit an einigen Stellen verloren gegangen sei. Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann betonte, dass es klar sein mĂŒsse, dass der SanitĂ€tsdienst ein integraler Teil des Teams der StreitkrĂ€fte ist. Er sprach auch die Wahrnehmung durch die Truppe an, die von entscheidender Bedeutung sei. Zum Abschluss forderte er das Plenum auf, diese Botschaft als Auftrag zu verstehen und aktiv an der Verbesserung der KohĂ€sion mit der Truppe zu arbeiten.

Die internationale Zusammenarbeit betrachtete Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann als strategischen Vorteil, der durch fachlichen Austausch und gemeinsame Projekte weiter ausgebaut werden sollte. Ziel sei es, „Win-Win-Situationen“ anzustreben und so alle beteiligten Seiten weiterzubringen. Sprachkenntnisse seien hierbei kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.

Abschließend fasste Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann in einem Ausblick die mannigfaltigen Herausforderungen und Chancen zusammen: „Die Zeit rennt“, erklĂ€rte er, „wir haben keine Zeit zu scheitern.“ Die Absicht sei dabei ganz klar: „Das Ziel muss es jetzt sein, mit den Vorgaben, die wir haben, den SanitĂ€tsdienst voranzubringen und zum Erfolg zu bringen“ Mit einem Appell an den Zusammenhalt schloss er seine Rede: „Gemeinsam sind wir stĂ€rker.“

Klare Worte, brillant auf den Punkt gebracht und fĂŒhlbar „aus dem Herzen gesprochen“ – einen besseren Abschluss des Kongresses hĂ€tte man nicht finden können. Die Zuhörenden wĂŒrdigten Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann mit stĂŒrmischem Applaus und Standing Ovations.

Fazit und Ausblick

Monatelange Planung und Vorbereitung haben sich gelohnt – so das ĂŒbereinstimmende Fazit der Teilnehmenden und Organisatoren. Augsburg brachte VortrĂ€ge auf hohem fachlichem Niveau, spannende Wettbewerbe und angeregte fachliche Diskussionen. FĂŒr Angehörige aller Fachrichtungen und Approbationen und der medizinischen Fachberufe wurde etwas geboten. Gerade die Vernetzung in der MultidisziplinaritĂ€t ist das entscheidende Merkmal der DGWMP e. V. Sie ist damit in fachlicher Hinsicht ein Spiegelbild des SanitĂ€tsdienstes und immer wieder Motor fĂŒr Innovationen. Der 55. Jahreskongress kann als voller Erfolg bewertet werden.

Wer nicht dabei sein konnte, möge sich eine Teilnahme im Jahre 2025 am 56. Jahreskongress der DGWMP e. V. vom 30. Oktober bis zum 1. November in Papenburg fest vornehmen. Es lohnt sich.

Bilder: DGWMP e. V. /Thilo Pulpanek, Berlin

Bericht:
Leutnant SanOA Sophia Nitsche
DGWMP e. V.

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