Nachweis lebensfÀhiger oraler Bakterien von Patienten auf dem Mund-Nasen-Schutz von ZahnÀrzten1
Detection of Viable Oral Bacteria on Dentists Surgical Masks
Jusef Naimá”, Janina Langá”, Carolin Clemensá”, Firat N. Malá”, Stefan Rupfa, Madline P. Gundá”
1 Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Beitrag die mÀnnliche Form im Sinne des genuinen Maskulinum (z. B. Patient, Soldat, Arzt, Zahnarzt) verwendet. Angesprochen sind damit aber alle Geschlechter.
á” Klinik fĂŒr Zahnerhaltungskunde, Parodontologie und PrĂ€ventive Zahnheilkunde des UniversitĂ€tsklinikums des Saarlandes
Zusammenfassung
Hintergrund: Bioaerosole kontaminieren die persönliche SchutzausrĂŒstung (PSA), insbesondere den Mund-Nasen-Schutz (MNS) des zahnmedizinischen Personals. Die PSA beherbergt Mikroorganismen aus verschiedenen Quellen. Bisher wurde nicht untersucht, woher die Kontamination stammt und ob ein Zusammenhang zwischen den auf dem MNS nachgewiesenen Bakterien und dem Keimspektrum der Patienten besteht.
Methoden: Vor den zahnĂ€rztlichen Interventionen erfolgte die Gewinnung intraoraler Proben von Patienten. Postinterventionell wurden Mikroorganismen vom MNS des Behandelnden mittels Abdruckverfahren auf Agarplatten transferiert. Nach der Kultivierung wurden koloniebildende Einheiten quantifiziert und mittels Matrix-unterstĂŒtzter Laserdesorption/Ionisation-Flugzeit-Massenspektrometrie (MALDI-TOF MS) identifiziert. AbschlieĂend erfolgte eine Analyse, um eine Korrelation von identischen Spezies in den intraoralen Proben und denen auf dem MNS zu ermitteln.
Ergebnisse: 126 zahnmedizinische Behandlungen wurden einbezogen. Die Ăbereinstimmung einer Spezies trat am hĂ€ufigsten auf (26,2%), gefolgt von zwei (11,9%) und drei oder mehr (3,97%). In den intraoralen Proben trat Neisseria subflava am hĂ€ufigsten auf, wĂ€hrend auf dem MNS am hĂ€ufigsten Staphylococcus epidermidis nachgewiesen wurde. Staphylococcus aureus konnte in intraoralen Proben dreimal hĂ€ufiger kultiviert werden als auf dem MNS.
Schlussfolgerung: Orale Mikroorganismen von Patienten können auf der AuĂenseite des MNS nachgewiesen werden. Bei der Verwendung der PSA wĂ€hrend zahnmedizinischer Behandlungen sollte stets berĂŒcksichtigt werden, dass potenziell pathogene Mikroorganismen auf diese gelangen können und sie somit selbst zur Kontaminationsquelle werden können.
SchlĂŒsselwörter: Zahnmedizin, persönliche SchutzausrĂŒstung, Mund-Nasen-Schutz, Infektionsschutz, Hygiene, Aerosole
Summary
Background: Bioaerosols contaminate personal protective equipment (PPE), especially the surgical masks of dental personnel. The PPE harbors microorganisms from various sources. Until now, it has not been investigated where the contamination originates from and whether there is a connection between the bacteria detected on the mask and the bacterial spectrum of the patient.
Methods: Intraoral samples were obtained from patients before dental interventions. Post-intervention, microorganisms from the dentistâs mask were transferred to agar plates using the imprint method. After cultivation, colony-forming units were quantified and identified using matrix-assisted laser desorption/ionization time-of-flight mass spectrometry (MALDI-TOF MS). Finally, an analysis was performed to determine a correlation between identical species in the intraoral samples and those found on the mask.
Results: 126 dental treatments were included. The occurrence of one species was most common (26.2%), followed by two (11.9%) and three or more (3.97%). Neisseria subflava was most frequently found in the intraoral samples, while Staphylococcus epidermidis was most detected on the mask. Staphylococcus aureus was cultured three times more frequently in intraoral samples than on the mask.
Conclusion: Oral microorganisms from the patients can be detected outside the surgical mask. When using personal protective equipment (PPE) during dental treatment, it should always be remembered that potentially pathogenic microorganisms can get onto it and thus become a source of contamination.
Keywords: dentistry, personal protective equipment, surgical mask, infection control, hygiene, aerosols
Einleitung und Hintergrund
Bioaerosole
Um thermische SchĂ€den an ZĂ€hnen wĂ€hrend zahnĂ€rztlicher Behandlungen zu vermeiden, ist die kontinuierliche KĂŒhlung maschinell betriebener Instrumente mit Wasser unerlĂ€sslich. Dies fĂŒhrt zur Entstehung eines Spraynebels, der ein inhomogenes Gemisch aus Wasser, mikroskopischen Feststoffen und Luft bildet [7]. Der Spraynebel gliedert sich basierend auf der PartikelgröĂe in gröĂere Tröpfchen (ĂŒber 5 ”m) und feinere Aerosole (unter 5 ”m) [16]. WĂ€hrend Tröpfchen aufgrund ihrer GröĂe schnell sedimentieren, können Aerosole aufgrund ihrer geringen GröĂe ĂŒber weite Strecken transportiert werden und mehrere Stunden in der Luft verbleiben [18]. Aerosole, die lebensfĂ€hige Mikroorganismen enthalten, werden als Bioaerosole bezeichnet [5][13]. Die Human Oral Microbiome Database dokumentiert, dass die Mundhöhle Heimat von mehr als 770 Prokaryoten-Spezies ist mit einer durchschnittlichen Konzentration von etwa 108 lebensfĂ€higen Bakterien pro Milliliter Speichel [26][29]. Bei der Anwendung wassergekĂŒhlter Instrumente im Mund eines Patienten kommt es daher zur Entstehung von Bioaerosolen. Diese Emissionen sind von besonderer Bedeutung, da sie potenziell gesundheitsgefĂ€hrdende Bioaerosole im Setting der Behandlung freisetzen, deren genaue Quellen und Ăbertragungswege Gegenstand intensiver Forschungen sind [9][12].
Kontamination der persönlichen SchutzausrĂŒstung
StandardmĂ€Ăig wird fĂŒr jede zahnmedizinische Behandlung eine persönliche SchutzausrĂŒstung (PSA) empfohlen mit dem Ziel der Protektion vor Kontamination, ÂĂbertragung und mögliche Infektion mit oder durch Krankheitserreger. Diese umfasst Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz (MNS) und Schutzbrille. ErgĂ€nzende VorsichtsmaĂnahmen wie Schutzkittel und ein Gesichtsvisier werden ebenfalls angeraten.
Die Kontamination der PSA wurde bereits intensiv untersucht [4][15][22][27][31]. Insbesondere die bakterielle Kontamination des MNS [11][19][24][25], mit und ohne Gesichtsvisier [10], wurde erforscht. Zudem konnte eine Forschungsgruppe zeigen, dass der MNS nach zahnmedizinischen Behandlungen selbst ein Kontaminationspotenzial aufweist [8][9].
Es wird angenommen, dass die Bakterien in den Aerosolen von Patienten stammen (Zahnstein, Biofilm, Blut, Speichel) [1][3][32]. Zu beachten sind allerdings auch patientenunabhÀngige Kontaminationsquellen, wie verunreinigte Wasserleitungen und die allgemeine Luftkontamination [14][33].
Ziel der Untersuchung
Bisher wurde noch nicht nachgewiesen, aus welchen Quellen die Bakterien auf dem verwendeten MNS tatsÀchlich stammen. Um die Kontamination der PSA so weit wie möglich zu verhindern, ist es wichtig, diese Quellen zu kennen und zu bewerten.
Ziel dieser Studie war es daher, den Patienten als potenzielle Quelle der Kontamination zu untersuchen. Dazu wurde dessen intraorales bakterielles Spektrum analysiert und mit ĂŒbereinstimmenden Spezies auf dem MNS des Behandlers verglichen.
Methoden
Die vorliegende prospektive Studie wurde am UniversitĂ€tsklinikum des Saarlandes in der Klinik fĂŒr Zahnerhaltung, Parodontologie und PrĂ€ventive Zahnheilkunde durchgefĂŒhrt. Alle verwendeten Instrumente waren sterilisiert. Behandlungseinheiten sowie umgebende OberflĂ€chen wurden routinemĂ€Ăig desinfiziert (CeltexÂź Wipes, Lotfex, Bremen, Deutschland; IncidinÂź 0,25 %, DrĂ€ger, LĂŒbeck, Deutschland).
Patienten
In die Studie wurden ausschlieĂlich erwachsene mĂ€nnliche und weibliche Patienten ohne bekannte Infektionskrankheiten eingeschlossen. Eine Antibiotikaanwendung in den letzten sechs Monaten fĂŒhrte zum Studienausschluss. Alle Proben wurden anonymisiert. Von allen Teilnehmenden wurden sowohl mĂŒndliche als auch schriftliche EinverstĂ€ndniserklĂ€rungen eingeholt. Die ethische Genehmigung fĂŒr die Studie wurde erteilt (Votum Nr. 195/22).
Behandlungen und Probanden
In die Studie wurden folgende konservierende aerosolerzeugende Behandlungen eingeschlossen:
- Professionelle Zahnreinigungen,
- Parodontitistherapien,
- FĂŒllungstherapien und
- endodontische Therapien.
Die Behandlungen wurden unter standardisierter zahnmedizinischer Absaugung durchgefĂŒhrt.
14 speziell geschulte und ĂŒberwachte Studierende der Zahnmedizin im zweiten klinischen Semester fĂŒhrten die Behandlungen durch. Vor dem Anlegen der PSA erfolgte eine hygienische HĂ€ndedesinfektion. Alle teilnehmenden Personen wurden instruiert, zu keinem Zeitpunkt â weder beim Anlegen, wĂ€hrend der Behandlung noch beim Ablegen â die AuĂenseite des MNS zu berĂŒhren. Die PSA bestand aus medizinischen Untersuchungshandschuhen (nitrilfrei, pulverfrei: JozaÂź, Hebei Titans Hongsen Medical Technology Co., Ltd., Hebei, China), MNS (Mölnlycke Health Care, DĂŒsseldorf, Deutschland), Schutzbrille (SafeviewÂź, Halyard, Neunkirchen, Deutschland), OP-Haube (BARRIERÂź Nurses Cap, Mölnlycke Health Care AB, Göteborg, Schweden und FarStarÂź medical GmbH, BarsbĂŒttel, Deutschland) und Schutzkittel (Simani Industrie s.r.l., Gallicano, Italien).
Probenentnahme
Vor der Behandlung wurden intraorale Proben von den Patienten mit einem Nylonflockenfasertupfer (eSwabâąuniversal, Mast Diagnostica, Reinfeld, Deutschland) entnommen. Zu diesem Zweck wurde der Tupfer von retromolar am terminalen unteren rechten Molaren lingual entlang der mukogingivalen Grenze bis zu den FrontzĂ€hnen gefĂŒhrt und dann in entgegengesetzter Richtung bukkal nach distal zurĂŒckgezogen. Der Tupfer wurde anschlieĂend in Amies Medium gelagert.
Nach der Behandlung wurde der MNS des Behandlers durch den assistierenden Studierenden entfernt. Der MNS wurde unverzĂŒglich nacheinander auf zwei unterschiedliche Agarplatten (Columbia III Agar mit 5% Schafsblut & GC II Agar mit HĂ€moglobin und IsoVitaleX; Becton Dickinson GmbH, Heidelberg, Deutschland) fĂŒr jeweils zehn Sekunden appliziert.
Mikrobielle Kultivierung
Um die intraoralen Proben zu kultivieren, wurden jeweils 100 ÎŒl des Amies Mediums auf beide Agarplatten aufgetragen und mittels der Dreiösen-Ausstrichmethode verteilt. Alle Columbia-Agarplatten wurden in InkubationsbehĂ€ltern fĂŒr Gaserzeugungssysteme (AnaeroPack Rechteckglas, Mitsubishi Gas Chemical Company, ING., Tokio, Japan) platziert. Ein KohlenstoffdioxidgassĂ€ckchen (GasPak CO2-BehĂ€ltersystem, Becton Dickinson GmbH, Heidelberg, Deutschland) wurde hinzugefĂŒgt, um eine kohlendioxidreiche Umgebung zu schaffen. AnschlieĂend wurde der BehĂ€lter verschlossen und alle Proben bei einer Temperatur von 35° +/â 2°C fĂŒr 48 Stunden inkubiert.
Bakterielle Analyse
Alle phĂ€notypisch unterscheidbaren koloniebildenden Einheiten (KBE) wurden mittels matrixgestĂŒtzter Laserdesorption/Ionisation-Flugzeit-Massenspektrometrie (MALDI-TOF BiotyperTM MBTTM smart, Bruker Daltonik GmbH, Bremen, Deutschland) klassifiziert. Wenn es wiederholt nicht möglich war, eine Spezies dem Messspektrum zuzuordnen, wurde die KBE als nicht identifizierbar vermerkt.
Zur quantitativen Analyse wurden die KBE mit einem KoloniezÀhlgerÀt (schuett-biotec GmbH, Göttingen, Deutschland) gezÀhlt.
Ăbereinstimmende Spezies
Nach der Analyse der Proben folgte eine Untersuchung der unterschiedlichen Probenarten auf das Vorkommen identischer Spezies, welche anschlieĂend quantifiziert wurden. Die Ăbereinstimmung wurde hinsichtlich einer einzelnen Spezies, zwei Spezies und drei oder mehreren Spezies dokumentiert.
Kontrollen
FĂŒnf unbenutzte MNS (n=5) wurden wĂ€hrend simulierter aerosolerzeugender zahnĂ€rztlicher Behandlungen (Trepanation, KavitĂ€tenprĂ€paration) an einer Phantom-Ăbungspuppe fĂŒr jeweils 120Minuten getragen und als negative Kontrollen verwendet.
Statistische Analyse
Die qualitativen und quantitativen Ergebnisse des Bakteriennachweises in den intraoralen Proben und auf dem MNS wurden deskriptiv dargestellt. Die ĂŒbereinstimmenden Spezies wurden mittels der einfaktoriellen Varianzanalyse (ANOVA) fĂŒr wiederholte Messungen verglichen. FĂŒr den Vergleich der Detektionsfrequenz von Bakterien zwischen verschiedenen Behandlungsarten, sowohl in intraoralen Proben als auch auf dem MNS, wurde die einfaktorielle ANOVA fĂŒr unabhĂ€ngige Stichproben verwendet (p < 0,05).
Abb. 1: Schema der VersuchsdurchfĂŒhrung (© Carolin Clemens)
Ergebnisse
Kontrollen
Nach 48 h Kultivierung wurde in keiner der Kontrollproben bakterielles Wachstum festgestellt.
Quantitative Ergebnisse
Es wurden 126 aerosolerzeugende Behandlungen eingeschlossen:
- 50 professionelle Zahnreinigungen,
- 33 parodontale Behandlungen,
- 31 FĂŒllungstherapien und
- 12 endodontische Behandlungen.
Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrug 120 min.
Am hĂ€ufigsten trat eine ĂŒbereinstimmende Spezies auf (insgesamt: 26,2%), gefolgt von zwei ĂŒbereinstimmenden Spezies (insgesamt: 11,9%). Am seltensten wurden drei oder mehr ĂŒbereinstimmende Spezies gefunden (insgesamt: 3,97%).
Hinsichtlich der ĂŒbereinstimmenden Spezies traten zwischen den Behandlungsarten nur geringfĂŒgige Unterschiede auf. Drei oder mehr ĂŒbereinstimmende Spezies konnten nur bei der professionellen Zahnreinigung und bei der Parodontitistherapie festgestellt werden.
Qualitative Ergebnisse
S. epidermidis wurde insgesamt am hÀufigsten isoliert, gefolgt von N. subflava, M. luteus und A. oris. Innerhalb der intraoralen Proben zeigte sich N. subflava als am hÀufigsten vorkommend, danach folgten A. oris, H. parainfluenzae und R. dentocariosa. Beim MNS wurde S. epidermidis am hÀufigsten nachgewiesen, in absteigender Reihenfolge gefolgt von M. luteus, S. hominis und S. capitis.
S. aureus wurde dreimal hĂ€ufiger in intraoralen Proben als auf dem MNS kultiviert, wobei dieser Erreger auf dem MNS ausschlieĂlich nach professionellen Zahnreinigungen isoliert werden konnte.
Statistische Analyse
Statistisch signifikante Unterschiede wurden zwischen den intraoralen Bakterien und denen auf dem MNS wĂ€hrend derFĂŒllungs- (p =0,03) und Parodontitistherapie (p=0,04) sowie bei endodontischen Eingriffen (p=0,01) beobachtet. Bei der professionellen Zahnreinigung hingegen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Probenarten.
Der Vergleich der Detektionsfrequenz verschiedener Spezies zwischen den BehandlungsmodalitĂ€ten ergab sowohl fĂŒr die intraoralen Proben (p=0,9), als auch fĂŒr die Maskenproben (p=0,9) keine statistisch signifikanten Ergebnisse.
Abb. 2: Anzahl der ĂŒbereinstimmenden Spezies (ĂS â Vergleich der intraoralen Bakterien der Patienten mit den Bakterien auf dem Mund-Nasen-Schutz) in Prozent je nach BehandlungsmodalitĂ€t
Diskussion und Schlussfolgerung
Soweit den Autoren bekannt, ist dies die erste Studie, die intraorale Bakterien von Patienten vor aerosolerzeugenden zahnmedizinischen Behandlungen mit denjenigen auf dem MNS des Behandlers postinterventionell vergleicht. Da dies die erste Untersuchung zur Herkunft der Bakterien auf dem MNS ist, können die Ergebnisse nicht direkt mit der Literatur verglichen oder diskutiert werden.
Die detektierten Bakterien entsprechen jenen, die in der Literatur im Zusammenhang mit der Kontamination der PSA beschrieben sind [8][19][20][24][25]. Zudem stimmen die in den intraoralen Proben identifizierten Bakterien mit dem ĂŒblicherweise fĂŒr die Mundhöhle beschriebenen Keimspektrum ĂŒberein [2][6][17][28][29]. Diese Befunde sind konsistent mit der Tatsache, dass vornehmlich gesunde Patienten ohne bekanntes Infektionsrisiko in die Studie aufgenommen wurden.
In der alltĂ€glichen RealitĂ€t zahnmedizinischer Praxen ist es jedoch möglich, dass auch obligat pathogene Keime Teil des ĂŒbertragenen Bakterienspektrums sind, was ein signifikantes Risiko fĂŒr das Behandlungsteam mit sich bringen kann. Daraus folgt, dass die Ăbertragung pathogener Bakterien nicht ausgeschlossen werden kann. Interessanterweise wurden selbst bei der Untersuchung ausschlieĂlich gesunder Personen einige fakultative Pathogene gefunden, was die Notwendigkeit einer sorgfĂ€ltigen Kontrolle und prĂ€ventiver MaĂnahmen unterstreicht.
Insgesamt konnten nur wenige obligate orale Bakterien gleichzeitig auf dem MNS und in den intraoralen Proben nachgewiesen werden. Dies lĂ€sst sich darauf zurĂŒckfĂŒhren, dass viele obligate orale Spezies schwer kultivierbar sind und anaerobe Bakterien bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden mussten. FĂŒr die Kultivierung anspruchsvoller Bakterien wĂ€ren spezielle Kulturmedien erforderlich gewesen. Obwohl viele Mikroorganismen im Mund nachgewiesen wurden, konnten sie nicht auf dem MNS detektiert werden, was darauf hindeutet, dass nur ein Teil des Keimspektrums ĂŒbertragen wurde. Dies steht im Einklang mit der Beobachtung, dass in den meisten Probenpaaren nur eine Spezies Ăbereinstimmung zu beobachten war.
Vergleich bei verschiedenen Behandlungsmethoden
Obwohl statistisch signifikante Unterschiede in der Nachweisfrequenz von Bakterien insgesamt und speziell bei der FĂŒllungs- und Parodontitistherapie sowie bei endodontischen Eingriffen zwischen den Probenarten beobachtet wurden, traf dies nicht auf die professionelle Zahnreinigung zu. Dies deutet darauf hin, dass ein Abbild der intraoralen Bakterien auf dem MNS festzustellen war, was ein erhöhtes Kontaminationspotenzial bei dieser Behandlung anzeigt. Diese Beobachtung wird durch die mehrfachen Ăbereinstimmungen der Spezies zwischen Mundhöhle und MNS unterstĂŒtzt.
Interessanterweise ergab der Vergleich der bakteriellen Zusammensetzung innerhalb der Probenarten keinen statistisch signifikanten Unterschied. Dies ist angesichts der Tatsache bemerkenswert, dass die intraoralen Proben trotz der Einbeziehung verschiedener Patienten mit unterschiedlichen Behandlungsanforderungen â von prĂ€ventiven MaĂnahmen bis hin zu invasiven Therapien wie der Behandlung von Parodontitis und Karies â eine erstaunliche Ăhnlichkeit aufwiesen.
Potenzielle Risiken
Bei der Nutzung der PSA wĂ€hrend zahnmedizinischer Behandlungen muss stets berĂŒcksichtigt werden, dass potenziell pathogene Mikroorganismen den MNS kontaminieren können, wodurch dieser zu einer Quelle der Kontamination fĂŒr die Umgebung selbst wird [8]. Der Gesundheitszustand der Patienten ist oftmals unbekannt und die Risikofaktoren, die einen derzeit apathogenen Mikroorganismus in einen pathogenen umwandeln können (im Falle fakultativer Pathogene), sind nicht immer offensichtlich. Eine abschlieĂende KlĂ€rung, ob ein Patient mit obligaten oder fakultativen Pathogenen kolonisiert ist, ist oft nicht möglich. Eine Ăbertragung auf gefĂ€hrdete Patienten und ZahnĂ€rzte oder des assistierenden zahnmedizinischen Personals ist daher nicht auszuschlieĂen. Die HĂ€ufigkeit der Exposition sowie die Virulenz der Pathogene bestimmen die Ăbertragung, Infektion und klinische Manifestation von Krankheiten [30]. Deshalb ist die Einhaltung von Empfehlungen zur PrĂ€vention nosokomialer Infektionen [21][23], einschlieĂlich der Verwendung von MNS [8], unerlĂ€sslich. ZusĂ€tzlich sollte immer eine detaillierte Anamnese der Patienten erhoben werden, um mögliche infektionsbezogene Risiken besser abschĂ€tzen zu können.
Limitationen
Die bakterielle Belastung der Mundhöhle könnte unterschĂ€tzt worden sein, da wĂ€hrend der intraoralen Probenahme lediglich ein Quadrant abgestrichen wurde, obwohl die Behandlung hĂ€ufig mehr Bereiche umfasst beziehungsweise die Behandelnden mit der gesamten Mundhöhle in Kontakt kommen. Zudem sind viele Spezies aufgrund ihrer Ă€hnlichen Erscheinung visuell schwer zu unterscheiden, was möglicherweise zu einer geringen Anzahl ĂŒbereinstimmender Spezies fĂŒhrte. Beispielsweise Ă€hneln sich Streptococcus vestibularis und Streptococcus mitis, beides Viridans-Streptokokken, sehr in ihrem Erscheinungsbild. Um dieses Problem zu mindern, hĂ€tten mehr als eine Kolonie mit derselben Morphologie identifiziert werden mĂŒssen. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich hierbei um eine Proof-of-Principle-Studie handelt, scheinte der zusĂ€tzliche Aufwand jedoch von geringem Nutzen zu sein.
Die DurchfĂŒhrung der Probenentnahme könnte die mikrobielle Vielfalt und die Anzahl lebensfĂ€higer Bakterien auf dem MNS reduziert haben, da es nicht möglich ist, die gesamte AuĂenflĂ€che des MNS mit der Agarplatte in Kontakt zu bringen, vielmehr kann nur ein zentraler Abschnitt erfasst werden. Auch dies kann zu einer UnterschĂ€tzung des Keimspektrums gefĂŒhrt haben.
Zusammengefasst ist es wahrscheinlich, dass mehr lebensfÀhige Bakterien auf dem MNS vorhanden waren, die aus der Mundhöhle stammten, als in dieser Studie nachgewiesen wurden.
Die Anwendung der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) wĂ€re in diesem Kontext keine adĂ€quate Alternative gewesen. Letztendlich sind ausschlieĂlich lebensfĂ€hige Bakterien von klinischem Interesse, da nur diese ĂŒbertragen werden können und somit ein potenzielles Risiko fĂŒr die Ăbertragung und Infektion darstellen.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse dieser Studie belegen, dass orale Bakterien der Patienten auf die AuĂenseite des MNS des Behandelnden ĂŒbertragen werden können. ZukĂŒnftige Forschungsarbeiten sollten den Beitrag anderer möglicher Kontaminationsquellen wie kontaminierte Wasserleitungen und allgemeine Luftkontamination untersuchen. Weiterhin könnte ein Ă€hnliches Studiendesign genutzt werden, um die Rolle von Viren in Ă€hnlichen Ăbertragungsszenarien zu untersuchen.
Kernaussage
- Orale Mikroorganismen des Patienten gelangen auf den Mund-Nasen-Schutz.
- Konsequent durchgefĂŒhrte HygienemaĂnahmen sind unerlĂ€sslich, um sowohl direkte als auch indirekte Ăbertragungen auf andere Patienten zu verhindern.
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ErklÀrung:
Die Autoren erklÀren, dass kein Interessenkonflikt (COI, conflict of interest) gem. International Committee of Medical Journal Editors vorliegt und keine Finanzierung durch Dritte erfolgte.
Die ethische Genehmigung der Studie wurde durch die Ethikkommission der Ărztekammer des Saarlandes erteilt: 195/22. Eine mĂŒndliche und schriftliche Einwilligung wurde von allen Teilnehmenden eingeholt.
Manuskriptdaten
Zitierweise
Naim J, Lang J, Clemens C, Mal FN, Rupf S, Gund MP: Nachweis lebensfÀhiger oraler Bakterien von Patienten auf dem Mund-Nasen-Schutz der ZahnÀrzte. WMM 2025; 69(1-2): 40-45.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-390
FĂŒr die Verfasser
Oberfeldarzt d. R. Priv.-Doz. Dr. Madline Gund, MBA, MSc
UniversitĂ€tsklinikum des Saarlandes â Klinik fĂŒr Zahnerhaltung, Parodontologie und PrĂ€ventive Zahnheilkunde
Kirrbergerstr. 100, 66424 Homburg/Saar
E-Mail: madline.gund@uks.eu
Manuscript Data
Citation
Naim J, Lang J, Clemens C, Mal FN, Rupf S, Gund MP: [Detection of Viable Oral Bacteria on Dentistsâ Surgical Masks]. WMM 2024; 69(1-2): 40-45.
DOI: https://doi.org/10.48701/opus4-390
For the Authors
Lieutenant Colonel (MC Res) Assoc. Prof. Dr. Madline Gund, MBA, MSc
Saarland Universityâ Department of Operative Dentistry, Periodontology and Preventive Dentistry, Homburg, Germany
Kirrbergerstr. 100, D-66424 Homburg/Saar
E-Mail: madline.gund@uks.eu